Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat der Vorstand der Ärztekammer Berlin am 17.09.2001 ein "Berliner Konzept" für die Durchführung der Qualitätssicherung beschlossen. Das Konzept sieht u. a. Audits vor, im Rahmen derer sich transfusionsmedizinisch tätige Ärzte und Ärztinnen als Auditoren im Sinne eines "peer review" Verfahrens besuchen und beraten.
Dieses Konzept beruht auf den
Richtlinien der Bundesärztekammer zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen
und zur Anwendung von Blutprodukten . Die vom Gesetz und den Richtlinien
vorgegebenen Grundlagen stellen die Basis für das Projekt dar. Sie wird
durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen der ÄKB und allen
Beteiligten weiterentwickelt. Das Konzept der ÄKB sieht drei aufeinander
aufbauende Elemente vor:
- externe Audits und interne Selbstbewertungen
- regelmäßige jährliche Erfahrungskonferenzen zum Austausch über die
Ergebnisse
- regelmäßige Fortbildungsangebote
Als Auditoren werden Transfusionsbeauftragte (TB),
Transfusionsverantwortliche (TV) und Qualitätsbeauftragte (QB), die in
Berlin tätig sind, eingesetzt. Die Auditoren erhalten vor ihrem Einsatz eine
zweitägige gemeinsame Schulung an der ÄKB. Jeweils zwei Auditoren besuchen
eine Einrichtung und führen dort ein Audit durch.
Jeweils einmal alle drei Jahre werden in allen stationären und ambulanten
Einrichtungen Audits durchgeführt. Der Verlauf und die Ergebnisse der Audits
werden mit einem standardisierten Protokoll dokumentiert. Die ausgefüllten
und von den Auditoren und der Einrichtung unterzeichneten Auditprotokolle
werden in der Ärztekammer gesammelt und bewertet. Bei Feststellung von
groben Mängeln wirkt die ÄKB gesondert auf deren Beseitigung hin. Die
jeweiligen Erkenntnisse aus den Audits eines Jahres werden im Rahmen einer
jährlichen Erfahrungskonferenz mit Vertretern der Einrichtungen beraten.
Häufig auftretende Mängel und Fehler werden in die Fortbildungen
eingearbeitet und dort thematisiert.
Um die Akzeptanz der Audits und deren Ergebnisse zu sichern, wurden
Arbeitsgruppen zu den wichtigen Instrumenten des Berliner Konzepts etabliert
in denen QB, TV und TB ihre Fachkenntnisse einbringen:
- Fachgruppe Transfusionsmedizin: fachliche Begleitung des Projektes
- AG Auditprotokolle: Erarbeitung und laufende Aktualisierung der
Auditprotokolle
- AG Musterfortbildungen: Erarbeitung und laufende Aktualisierung von
Musterfortbildungen zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter und zur
Aktualisierung von Richtlinien und anderen Vorgaben
- AG Musterjahresberichte: Erarbeitung und Aktualisierung des Musters,
nach dem die Qualitätsbeauftragten ihren Jahresbericht erstellen können.
Für die Zukunft ist geplant, auf den Erfahrungskonferenzen inhaltliche
Schwerpunkte für das kommende Jahr zu definieren. Die nun bereits mehrfach
eingesetzten Auditprotokolle sollen in einer etwas gekürzten Form an die
Einrichtungen versandt und von diesen ausgefüllt werden. Auf der Basis der
dann eingesandten Bögen wählt das Auditorenteam einen Bereich aus, der
intensiver auditiert wird.
Die Durchführung der Qualitätssicherung in der Transfusionsmedizin nach
dem Berliner Modell erfordert sowohl von den Einrichtungen als auch von der
Ärztekammer Berlin den Einsatz von erheblichen Ressourcen:
- Bereitschaft von QB, TV und TB zur Mitarbeit und deren Freistellung
durch die Einrichtungen, z. B. als Auditoren, in den Arbeitsgruppen und
zur Erfahrungskonferenz
- Bearbeitung des Projektes innerhalb der ÄKB
- Mittel zur Finanzierung von Schulungen und Aufwandsentschädigungen der
Auditoren, für Ergebnisauswertungen, Informationsmaterial und für die
Durchführung von Veranstaltungen (Räume, Verpflegung, Referenten)
Die hohe Akzeptanz bei den transfundierenden Einrichtungen sowie die
positiven Ergebnisse der bisher durchgeführten Maßnahmen haben alle
Beteiligten jedoch dazu bewogen, das Projekt auch künftig fortzuführen.
Lesen Sie hierzu auch den Artikel in Berliner Ärzte, Ausgabe 5/2008
"Qualitätssicherung in der Hämotherapie - Aufwand und Nutzen",
Erfahrungsberichte von drei Qualitätsbeauftragten (Topolinski/Willenborg/Witthuhn)