(22.04.2009)
Berliner Gesundheitsorganisationen bewerten Nutzen und Risiken der "Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs" - Informationsflyer in drei Sprachen soll junge Berliner Frauen aufklären
Gemeinsame Presseerklärung
Zehn Organisationen und Institutionen des Gesundheitswesens haben am Mittwoch
eine gemeinsame "Berliner Erklärung zur HPV-Impfung" veröffentlicht. Damit soll
auf Grundlage von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Versachlichung
der teilweise hitzig geführten Diskussion um die "Impfung gegen
Gebärmutterhalskrebs" (Zervixkarzinom) erreicht werden. Mit der Empfehlung der
Ständigen Impfkommission (STIKO) an Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren, sich
gegen Humane Papillom-Viren (HPV) impfen zu lassen, hat eine regelrechte
Impfwelle eingesetzt. Gleichzeitig gibt es immer wieder kritische Stimmen, die
vor übertriebenen Hoffnungen warnen. Dies verunsichert junge Frauen und deren
Eltern zunehmend.
Die wichtigsten Punkte der
"Berliner Erklärung":
Bislang gibt es noch keine Studien, die eine Wirksamkeit der Impfung gegen
Gebärmutterhalskrebs belegen - ebenso wie die langfristige Nebenwirkungen der
Impfung noch nicht bekannt sind. Dies müssen Langzeitstudien zeigen. Die
HPV-Infektion ist eine sehr häufige Infektion (70-80 Prozent aller sexuell
aktiven Frauen infizieren sich mindestens einmal im Leben).
Gebärmutterhalskrebs kann eine mögliche Folge dieser sehr häufigen Infektion
sein.
15 HPV-Typen werden zur Zeit als potenziell krebserregend eingestuft. Die
Impfungen mit den bisher entwickelten zwei Impfstoffen schützen vor zwei dieser
HPV-Typen (Typ 16 und 18), die bei ca. 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs
nachzuweisen sind. Allerdings können auch andere HPV-Typen Gebärmutterhalskrebs
verursachen, gegen die die Impfung nicht immunisiert. Daher sollten alle
Frauen, unabhängig davon, ob sie geimpft wurden oder nicht, weiterhin regelmäßig
die Krebsfrüherkennungsuntersuchung (jährlicher Abstrich des Gebärmutterhalses)
wahrnehmen. Langzeitstudien haben gezeigt, dass seit Einführung des
Krebsfrüherkennungsprogramms die Anzahl der Neuerkrankungen und die
Sterblichkeit durch diese Erkrankung um rund 75% zurückgegangen sind. Dies
verdeutlicht die Wichtigkeit von regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen.
Wie der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz,
erläuterte, werden der Nutzen der HPV-Impfung in der öffentlichen Diskussion oft
überwertet und die Risiken verharmlost. "Das ist vor dem Hintergrund des
Wunsches nach Hilfe und Schadensabwehr auf Seiten des Patienten und des Arztes
psychologisch verständlich, aber sachlich falsch." Eine korrekte Aufklärung sei
deshalb dringend notwendig. "Wer sein Kind nicht impfen lässt, tut ihm damit
nichts Schlimmes an", versuchte Jonitz Bedenken von Eltern zu zerstreuen.
Bezirksstadträtin Dr. Sibyll Klotz (Netzwerk Frauengesundheit
Tempelhof-Schöneberg) erklärte weiter: "Es wird höchste Zeit für eine kritische
Debatte und für unabhängige Informationen über die Wirkungen aber auch
Nebenwirkungen der HPV-Impfung. Auf diese haben Eltern und junge Mädchen einen
Anspruch."
Um die betroffenen Berliner Mädchen und Frauen direkt zu erreichen, haben die
genannten Organisationen und Institutionen gemeinsam einen
Informationsflyer entworfen, der in drei
Sprachen (Deutsch, Türkisch und Russisch) in einer Vielzahl von Institutionen
angeboten wird, wie zum Beispiel in Gesundheitsämtern, Schulen* sowie Mädchen-
und Frauenprojekten etc.. Den Mädchen sollen damit ausreichend verständliche
Informationen an die Hand gegeben werden, um sich selbst für oder gegen eine
HPV-Impfung entscheiden zu können. Dr. med. Jutta Pliefke (pro familia Berlin)
ergänzte: "Vor jeder Impfung sollte eine ausführliche, individuelle,
qualifizierte und kritische Beratung stattfinden." Zugleich wies sie darauf hin,
dass Kondome auch gegen HPV - neben anderen genitalen Infektionen - schützt.
"Ihr Gebrauch reduziert das Vorkommen von Genitalwarzen und von Veränderungen am
Gebärmutterhals", erklärt Pliefke.
Weitere Informationen und Literaturhinweise finden Sie im Internet unter:
www.aerztekammer-berlin.de/30buerger/HPV/index.htmlÄRZTEKAMMER BERLIN
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Sascha Rudat
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