Bericht von der Delegiertenversammlung am 13. April 2011
Das Thema elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) ist ebenso wie die so genannte
Elektronische Gesundheitskarte (eGK) stark emotionsbehaftet. Wie zu erwarten
wurde der kontrollierte Einstieg in die Ausgabe des eHBA durch die Kammer von
den Delegierten ausführlich diskutiert. Der Kammervorstand bemühte sich um eine
Versachlichung der Debatte. Mehrheitlich stimmten die Delegierten dem Einstieg
schließlich zu. Daneben wählten sie mit Stephan Bernhardt einen hausärztlichen
Vertreter in den Vorstand. Der Orthopäde Klaus Thierse wurde neuer Ombudsmann
für Fragen der Weiterbildung. Darüber hinaus beschäftigte sich die DV mit einer
Erklärung zum Atomausstieg.
Von Sascha Rudat
Ähnlich wie auf den vergangenen Deutschen Ärztetagen sorgte der eHBA auch in der
Delegiertenversammlung für eine lebhafte Diskussion. Die Drucksache, die vom
Vorstand eingebracht worden war, sieht vor, dass am 1. Juni mit der
kontrollierten Ausgabe von monatlich bis zu 72 Ausweisen begonnen werden soll.
Bis Jahresende sollen maximal 500 eHBA an interessierte Kammermitglieder
ausgegeben werden. Gleichzeitig wird der Vorstand beauftragt, die notwendigen
Voraussetzungen für die Ausgabe zu schaffen.
Der Hintergrund ist, dass die Kammer nach dem Berliner Kammergesetz und dem
Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) verpflichtet ist, eHBA an ihre Mitglieder
herauszugeben. Die Kammern wurden durch die vergangenen beiden Ärztetage
bestärkt, ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen. Am 24. Februar 2010
hatte die Delegiertenversammlung bereits beschlossen, die erforderlichen
infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen für die Ausgabe zu schaffen.
Ziel der kontrollierten Herausgabe soll einerseits sein, den gesetzlichen
Verpflichtungen nachzukommen, andererseits möchte die Kammer Erfahrungen mit dem
Ausgabeprozess sammeln, um diesen dann weiter zu optimieren.
Kammer will Heft in der Hand halten
Die Beschlussvorlage stieß auf strikte Ablehnung der Fraktion Gesundheit. "Es
findet eine Kollektivierung des Arzt-Patienten-Verhältnisses statt", warnte
Julian Veelken und ergänzte: "In dem Moment, in dem man den eHBA einführt,
schafft man Strukturen, die für die eGK genutzt werden." Veelken plädierte
ebenso wie sein Fraktionskollege Volker Pickerodt für einen Verzicht auf die
Ausgabe. Er warf die Frage auf, weshalb denn die DV mit dem Beschluss befasst
werde, wenn die Ärztekammern ohnehin gesetzlich verpflichtet seien, die Karten
auszugeben.
Vorstandsmitglied Harald Mau (Liste Allianz), sprach sich hingegen aus "rein
pragmatischen Gründen" für die Ausgabe aus. Mit dem kontrollierten Einstieg käme
man dem gesetzlichen Auftrag nach, so dass die Aufgabe nicht an andere,
arztferne Institutionen vergeben werden könne. Kammergeschäftsführer Michael
Hahn ergänzte, dass er es für "gut und wichtig", halte, dass sich die
Delegiertenversammlung als politisches Organ eine Meinung zu dem Thema bilde. Er
führte aus, dass die Berliner Kammer bei der Planung auf Bundesebene in Form von
umfangreichen Ausarbeitungen auf zahlreiche rechtliche, organisatorische und
finanzielle Fallstricke aufmerksam gemacht habe. Ziel war es dabei immer,
länderübergreifende Verfahrungswege zu finden, die einen tragbaren
Ausgabeprozess gewährleisten. "Wir haben als Ärztekammer Berlin einen extrem
guten Job gemacht - für alle Ärztinnen und Ärzte in Berlin", betonte Hahn.
Kammerpräsident Günther Jonitz (Marburger Bund) warnte im Falle einer
Ablehnung vor einer Fremdbestimmung des Ausgabeprozesses. "Es ist wichtig, dass
wir das weiter in der Hand behalten. Man muss sich fragen, was passiert, wenn
wir das nicht machen. Dann holt der Arzt seinen Ausweis nicht mehr in der Kammer
ab. Das würde denen in die Hände spielen, die die Kammern klein halten wollen."
Nachdem die Positionen ausgetauscht waren, stellte Hans-Peter Hoffert (BDA)
den Antrag auf Nichtbefassung. Dieser wurde mehrheitlich abgelehnt. Die
Beschussvorlage wurde schließlich mehrheitlich angenommen - bei Gegenstimmen der
Fraktion Gesundheit und Enthaltungen der Hausärzte. Kammerpräsident Jonitz
kündigte an, die Delegierten weiterhin engmaschig über das Thema zu informieren.
Kammervorstand ergänzt

Nachdem
sich die Hausärzte zu Beginn der Legislaturperiode nicht auf einen Kandidaten
für den Kammervorstand verständigen konnten, stellten sie nun den
Allgemeinmediziner Stephan Bernhardt zur Wahl auf. Der 47-Jährige betonte in
einer kurzen Vorstellung, dass er sich für eine enge Zusammenarbeit von Haus-,
Fach- und Klinikärzten einsetzen werde. Er erhielt 35 von 39 Stimmen der
Delegierten und ist damit 9. Beisitzer des Vorstandes. Bernhardt war bereits in
verschiedenen Gremien der KV Berlin und der Kammer tätig (s.
auch 'Die Vorstandsmitglieder stellen sich Ihnen vor').
Der Allgemeinmediziner
vertritt jetzt die Hausärzte im Kammervorstand.
Zum
Ombudsmann für Fragen der Weiterbildung wurde der Delegierte Klaus
Thierse (Marburger Bund) gewählt. Der niedergelassene Orthopäde erhielt 35 von
39 Stimmen. Die Position war seit 2008 vakant, als Udo Schagen sein Amt
niedergelegt hatte. Thierse bringt als ehemaliger Vorsitzender des Gemeinsamen
Weiterbildungsausschusses der Ärztekammer umfangreiche Erfahrungen im Bereich
Weiterbildung mit. Er appellierte an die Delegierten und die Kammermitglieder,
ihn zu informieren, wenn es Probleme gebe. BERLINER ÄRZTE wird Klaus Thierse und
seine Arbeit in einer der nächsten Ausgaben näher vorstellen.

Klaus Thierse (Marburger Bund) kümmert sich
künftig als
Ombudsmann um Weiterbildungsfragen.
Kernkraft: Resolution an Vorstand überwiesen
Für Diskussionen sorgte ein Antrag der Fraktion Gesundheit zur Verabschiedung
einer Resolution, in der angesichts der Atomkatastrophe in Japan die
Bundesregierung aufgefordert werden sollte, "die Laufzeitverlängerung der
deutschen Atomkraftwerke rückgängig zu machen und den Ausstieg aus der
Atomenergie zum kürzest möglichen Zeitpunkt umzusetzen". Verschiedenen
Delegierten war der Entwurf allerdings zu allgemein gehalten. "Man muss sich
differenzierter damit befassen als in der Vorlage", sagte Kammerpräsident Jonitz.
Klaus Thierse ergänzte: "Wenn wir als Kammer etwas zu dem Thema sagen, müsste es
etwas ausgewogener sein." Der Antrag wurde schließlich mehrheitlich an den
Vorstand überwiesen, der eine geänderte Textfassung erarbeiten soll.