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Säuglingssterblichkeit in Berlin unter dem Bundesdurchschnitt

(02.04.2008)  Ärztekammer Berlin stellt der Berliner Fachszene die Ergebnisse der Neonatalerhebung 2007 vor

Die Säuglingssterblichkeit in Berlin ist in den vergangenen zehn Jahren von 4,4 auf 3,49 Promille und damit unter den Bundesdurchschnitt  (3,9 Promille im Jahr 2007) gesunken. Dieser Erfolg geht zu einem großen Teil auf das Konto der Neonatalerhebung, deren Ergebnisse die Ärztekammer Berlin am Dienstag vorlegte. Starben 1997 von den 30.369 in Berlin geborenen Kindern noch 134 innerhalb des ersten Lebensjahres, so waren es im Jahr 2007 von 31.174 nur noch 109. An der Erhebung beteiligen sich seit Beginn der 90er Jahre alle neun (früher zehn) neonatologischen Abteilungen Berlins. Seit 1998 wird die Erhebung systematisch genutzt, um an den teilnehmenden Kliniken die Versorgungsqualität zu verbessern.

Bis 2006 konnte ferner die Dauer der stationären Aufenthalte für besonders unreife Frühgeborene (unter 1500 g) in Berlin von 80 auf 70 Tage reduziert werden, so Prof. Dr. med. Michael Obladen, der bisherige Vorsitzende der Neonatalkommission, vor den versammelten Berliner Experten. Unter anderem konnten folgende medizinische Erkenntnisse aus der Erhebung gewonnen werden:

  • Bis 2006 konnte bei den besonders unreifen Frühgeborenen (unter 1500 g) über mehrere Jahre die Rate an Hirnblutungen geringfügig gesenkt werden. Hirnblutungen können zu schweren Behinderungen führen. Erreicht wurde dies durch eine vermehrte vorgeburtliche Gabe von Steroiden (Cortison) an die Mutter (2 x innerhalb von 24 Stunden). Das Medikament fördert die Lungenreife des ungeborenen Kindes und führt dazu, dass nach der Geburt seltener und weniger intensiv beatmet werden muss. Bei besonders unreifen Frühgeborenen ist die Beatmung wegen der entstehenden Sauerstoffschwankungen und dem auf das Kind einwirkenden Druck der Beatmungsmaschine immer ein Problem, da sie Hirnblutungen fördern kann.
     
  • Als ebenfalls erfolgreich erwies sich bei sehr unreifen Frühgeborenen, die sofort nach der Geburt beatmet werden müssen, ein rascher Einsatz von so genanntem Surfactant (eine Substanz, die die Lunge in ausgereiftem Zustand selbst bildet. Es setzt die Oberflächenspannung in den Lungenbläschen herab und stabilisiert diese damit). Die Eiweißsubstanz wird den Kindern über einen Schlauch direkt in die Lunge gesprüht und verbessert die Beatmung meist erheblich.
     
  • Als ebenfalls günstig erwies sich eine gute Temperaturkontrolle in den Erstversorgungsräumen nach der Entbindung. Diese neben dem Kreißsaal liegenden Räume sollten eine Temperatur von mindestens 35 bis 37 Grad Celsius haben und verhindern ein Auskühlen der Neugeborenen. Kinder, die nach der Geburt sofort auf die Neonatologie gebracht werden müssen, sind stabiler, wenn sie vor Einlieferung nicht auskühlen.
     
  • "Das Engagement und die freiwillige Teilnahme aller neonatologischen Abteilungen in Berlin ist für uns ein voller Erfolg“, so Ärztekammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz. Er lobte vor allem die Qualität der gemeinsamen Beratung aller beteiligten Klinikchefs mit dem Vorsitzenden, was einen schnellen und unkomplizierten Erkenntnisgewinn für alle sicherstellte.
     

ÄRZTEKAMMER BERLIN
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Hintergrund

Was ist die Neonatalerhebung?

Neonatologische Abteilungen befassen sich mit der Behandlung kranker Früh- und Neugeborener. Im Jahresabstand wird nach bundesweit einheitlichen Kriterien die Versorgungsqualität der in den ersten zehn Lebenstagen stationär in diesen Spezialabteilungen aufgenommenen Früh- und Neugeborenen ausgewertet.

Wie wird sie durchgeführt?

In Erhebungsbögen, die elektronisch ausgewertet werden, wird unter anderem die Anzahl der Aufnahmen in die Neonatologie nach Schwangerschaftswochen und nach Geburtsgewicht, die Dauer des stationären Aufenthaltes sehr untergewichtiger Neu- und Frühgeborener (unter 1500 g) und deren Überlebensraten, die Entlassungsgewichte, die Häufigkeit von Hirnblutungen und Retinopathien (Krankheit der Augen, die im Verlauf zu Komplikationen wie z.B. Netzhautablösungen führen kann) erfasst. 

Jede der beteiligten Kliniken erhält einmal jährlich eine anonymisierte Auswertung ihrer Ergebnisse und kann sie mit den anonymisierten Ergebnissen der Gesamtauswertung aller Kliniken vergleichen. In einem detaillierten Gespräch erörtert der Vorsitzende dann mit jedem einzelnen Haus Auffälligkeiten und mögliche Ursachen. In der Regel können den beteiligten Kliniken Bereiche angezeigt werden, in denen eine Optimierung der Behandlungsqualität möglich ist. Erfolgreiche Optimierungsstrategien einzelner Kliniken werden den anderen zur Kenntnis gegeben. Eine Ergebniskonferenz für alle gibt den teilnehmenden Krankenhäusern zudem Gelegenheit, Trends und Auffälligkeiten zu diskutierten und für bestimmte Problemlagen gemeinsam Standards zu entwickeln, die fortan in allen Häusern eingeführt werden.

Was ändert sich 2010?

Die Neonatalerhebung, die die Kammer bislang in Eigenregie durchführte, wird voraussichtlich ab 2010 in die bundesweite externe vergleichende Qualitätssicherung nach § 137 aufgenommen, wie dies schon bei der Perinatalerhebung der Fall ist. Man hofft, dass es dann endlich möglich wird, Erkenntnisse aus beiden Erhebungen miteinander zu verknüpfen. Dadurch könnte man sehen, wie sich Besonderheiten im Geburtsverlauf und in der Schwangerschaft auf Krankheitsverlauf und Therapiebedarf der kranken Babys in den ersten Lebenswochen auswirken. Solche Rückschlüsse sind derzeit nämlich nicht möglich, was Experten sehr bedauern.

Wechsel im Vorsitz

Prof. Dr. med. Michael Opladen, der vor einigen Monaten in den Ruhestand ging, gilt als „Vater der Neonatalerhebung“ in Berlin. Durch seinen Eintritt in den Ruhestand steht ein Wechsel im Vorsitz der Neonatalkommission an.
 

 

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