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Zurück zur Vernunft - keine medizinisch unbegründeten Tests

(06.11.2020)  Laut Robert Koch-Institut (RKI) können momentan in Deutschland wöchentlich eineinhalb Millionen PCR-Tests zum Nachweis von SARS-CoV-2 durchgeführt werden. Im Oktober 2020 wurde die nationale Teststrategie um den Einsatz von Antigentests erweitert. Der wachsenden Anzahl an Testungen stehen knappe Ressourcen gegenüber, die viel Personal und Material binden sowie einer aufwändigen Logistik bedürfen. Eine Fehlallokation der Testressourcen führt daher zwangsläufig zu einer zunehmenden Verschlechterung der ambulanten und stationären Versorgung. Daher fordert die Ärztekammer Berlin, die Testkapazitäten nur für sinnvolle, medizinisch begründete Fälle zu nutzen.

Der nationalen Teststrategie folgend werden in großem Umfang bei asymptomatischen Personen PCR-Tests durchgeführt. Ziel dabei ist es, Quarantäne oder Reisebeschränkungen zu vermeiden. Dies führt zu einer Fehlallokation knapper Ressourcen. Die ambulante und stationäre Versorgung unserer Patienten wird dadurch verschlechtert.

Die allgemeine Konzentration auf Infektionszahlen, ohne Bezug zu den tatsächlichen Erkrankungsfällen, verunsichert die Bevölkerung und führt zu einer steigenden sowie ungerechtfertigten Inanspruchnahme von Testkapazitäten.

Das Testen von asymptomatischen Kontaktpersonen ist, wenn es sich nicht um die Eindämmung lokaler Ausbrüche in Einrichtungen handelt, und von asymptomatischen Reisenden aus Risikogebieten, medizinisch nicht sinnvoll. Zudem führt es bei negativem PCR-Ergebnis zu einem falschen Sicherheitsgefühl. In diesen Fällen sollten sinnvollerweise Quarantänemaßnahmen bevorzugt werden.

Ein Ausschluss der Infektiosität durch die aktuell angebotenen Antigenschnelltests ist nach gegenwärtiger Studienlage nicht mit ausreichender Sicherheit möglich. Diese Tests sollten deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Schutz von Risikopatientinnen und -patienten eingesetzt werden.

Die Ärztekammer Berlin begrüßt die Anpassung der Testkriterien für die Herbst/Wintersaison für das Fall-basierte Testen durch das RKI. Und darüber hinaus empfehlen wir die folgende Anpassung der nationalen Teststrategie SARS-CoV-2:

  • symptomatische Patientinnen und Patienten sollten bei Verdacht auf COVID-19 einen PCR-Test erhalten
  • asymptomatische Personen sollten in folgenden Bereichen nach einheitlichem Konzept systematisch einen PCR-Test erhalten. Die hierfür erforderlichen Ressourcen müssen in allen genannten Bereichen zur Verfügung gestellt werden.
    • Personal in ambulanten und stationären Einrichtungen, das in Bereichen mit besonders gefährdeten Patientinnen und Patienten arbeitet
    • Personal in Pflegeheimen, Pflegewohngemeinschaften, häuslicher Krankenpflege
    • Neuaufnahmen von Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, stationären Pflegeinrichtungen und Rehabilitationskliniken

Die Pressemitteilung ist aus einer Arbeitsgruppe des Ausschusses Versorgung der Ärztekammer Berlin hervorgegangen und wird von folgenden Beteiligten aus allen Bereichen der Versorgung getragen:

Dr. med. Heike Kunert, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin/Hausärztin (COVID-19-Schwerpunktpraxis)

Dr. med. Irmgard Landgraf, Fachärztin für Innere Medizin, Hausärztin

Prof. Dr. med. Andreas Umgelter, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Vivantes Humboldt-Klinikum

Dr. med. Klaus-Peter Spies, Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Nephrologie

Dr. med. Thomas Werner, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Vivantes Klinikum Friedrichshain

Dr. med. Susanne von der Heydt, Fachärztin für Kinderchirurgie, Charité – Universitätsmedizin

Ansprechpartner für Presseanfragen:

Dr. med. Susanne von der Heydt, Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer Berlin (Marburger Bund)

Dr. med. Klaus-Peter Spies, Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer Berlin, (Listensprecher ALLIANZ BERLINER ÄRZTE – MEDI BERLIN)

Die Pressemitteilung als PDF finden Sie hier.

ÄRZTEKAMMER BERLIN
– Pressestelle –
Ole Eggert, Pressesprecher
Tel. 030 40806-4110
E-Mail: presse@aekb.de

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