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Ärztekammer Berlin: Klagen der Krankenkassen über zu viele Operationen in Kliniken sind scheinheilig

(12.12.2012)  Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin hat bereits 2001 vor schlechterer Versorgung und Fehlanreizen durch die DRG-Einführung gewarnt.

Die von den Krankenkassen beklagten unnötigen Operationen in deutschen Kliniken sind nach Ansicht der Ärztekammer Berlin die direkte Folge der Einführung des Fallpauschalensystemes (DRGs) im Jahr 2003. "Die Krankenkassen beklagen jetzt die Auswüchse eines Abrechnungsmodells, das sie selbst gefordert und politisch durchgesetzt haben. Das ist mehr als scheinheilig", betonte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz. Bereits im Jahr 2001 warnte die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin in einer Resolution eindringlich vor den umfassenden negativen Folgen des Fallpauschalensystems. 

So heißt in der Resolution: "Durch ein DRG-System entsteht ein Versorgungsrisiko für die Patienten? Damit hängt der wirtschaftliche Erfolg respektive das wirtschaftliche Überleben [der Kliniken] von dem Umfang ab, in dem Leistungen oder Kosten reduziert werden. Dies führt zur Risikoselektion, implizierter Rationierung und Qualitätsverlusten durch Unter- und Fehlversorgung ("quicker and sicker")? Die Erwartungen von Politik und Krankenkassen, durch die Einführung von DRGs Geld zu sparen, werden nicht erfüllt werden."

Weiter heißt es: "Die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin erwartet mit der Einführung von DRGs eine deutliche Verschlechterung der Patientenversorgung durch einen Verlust an Qualität und Humanität. Eine Industrialisierung der Patientenversorgung in deutschen Krankenhäusern ist absehbar? Statt dessen führt [das DRG-System] zu Anreizen für wohldotierte, aber fraglich indizierte Maßnahmen und damit zu schlechterer Medizin bei insgesamt höheren Kosten."

"Jede dieser Vorhersagen aus dem Jahr 2001 ist eingetreten", erklärte Jonitz und ergänzte: "Erschwerend kommt hinzu, dass die Krankenkassen durch Selektivverträge weitere Anreize für Mengenausweitungen bei bestimmten Krankheitsbildern geschaffen haben. Den Geist, den die Krankenkassen damit aus der Flasche gelassen haben, bekommen sie jetzt nicht mehr eingefangen. Die Krankenkassen haben Wettbewerb bestellt und ihn bekommen." Doch statt den Kliniken und den Ärzten jetzt über die Medien den Schwarzen Peter zuzuschieben, sollten die Kassen lieber den Dialog suchen. "Nur so können wir es schaffen, gemeinsam weg von einem Wettbewerb um Erträge zu einem Wettbewerb um Qualität in den Krankenhäusern und zu einer besseren Patientenversorgung zu kommen", fügte der Kammerpräsident hinzu.

Die vollständige Resolution der Delegiertenversammlung aus dem Jahr 2001 können Sie hier abrufen.

 

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