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Ärztekammer will Verbundweiterbildungen in der Allgemeinmedizin vorantreiben

(29.01.2010)  Tag der Allgemeinmedizin in der Ärztekammer Berlin

Künftige Hausärzte sollen es in Berlin bald leichter haben, ihre klinischen Weiterbildungsabschnitte zu absolvieren. Die Ärztekammer Berlin will ihre Anstrengungen erhöhen, Nachwuchs-Hausärzten über so genannte "Verbundweiterbildungen" ein strukturiertes Durchlaufen ihrer vorgesehenen Weiterbildungsabschnitte zu erleichtern. Das betonten Ärztekammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz und seine Vorstandskollegin Prof. Dr. med. Vittoria Braun auf dem Tag der Allgemeinmedizin am 27. Januar in der Ärztekammer Berlin. Geplant ist die Einrichtung einer Koordinierungsstelle, die eine Zusammenarbeit von Kliniken und benachbarten Weiterbildungspraxen unterstützt. Zudem sollen die jungen Assistenzärzte beim Absolvieren der geforderten Weiterbildungsabschnitte organisatorische Hilfestellung bekommen. 

Vor voll besetztem Haus warb Vittoria Braun für mehr ärztliche Eigeninitiativen beim Zustandekommen von Verbundweiterbildungen. Sie propagierte ein Modell, bei dem ein oder mehrere niedergelassene Weiterbildungsbefugte der Allgemeinmedizin gleichsam die Rolle eines Motors übernehmen und aktiv auf benachbarte Kliniken zugehen. Eine solche Idee könne man den Beteiligten nicht "von oben" aufstülpen, so Braun. Eine Zusammenarbeit in der Weiterbildung könne insbesondere durch persönliche Kontakte zu aufgeschlossenen Klinikleitungen und Chefärzten wachsen, mit denen man schon lange und gut zusammenarbeitet. Die Ärztekammer will Interessierte aktiv logistisch unterstützen, damit Verbünde am Ende wirklich zustande kommen und gut arbeiten können.

Die Charité-Lehrstuhlinhaberin geht in ihrer Köpenicker Hausarztpraxis mit gutem Beispiel voran. Mit den benachbarten DRK-Kliniken Köpenick stellt sie in Eigeninitiative eine koordinierte Verbundweiterbildung auf die Beine, die ein strukturiertes Durchlaufen der Inneren Medizin, der Chirurgie und der Rettungsstelle ermöglicht. Bestandteil sind immer wiederkehrende "Rückkehrgespräche", bei denen sich die Assistenten mit ihren früheren Lehrärzten über Detailfragen aus der Klinik austauschen und aktuelles Wissen auffrischen. Ebenfalls etablieren konnte sich eine Verbundweiterbildung auch schon im Haftkrankenhaus Berlin.

Von solchen Modellen profitieren übrigens nicht nur die jungen Assistenten, auch die Krankenhäuser selbst haben etwas davon, wie die beiden Köpenicker Chefärzte Prof. Dr. Matthias Pross (Chirurgie) und PD Dr. med. Christian Opitz (Kardiologie) berichteten. Die allgemeinmedizinischen Assistenten können gut in der Basisarbeit der Stationen eingesetzt werden, haben durch ihre Detailkenntnisse aus den Nachbarabteilungen schon bald einen hervorragenden Gesamtüberblick und bringen ihr Fachwissen aus Nachbargebieten mit ein.

Die Verbesserung der Weiterbildung künftiger Hausärzte ist dringend notwendig, denn bundesweit zeichnet sich ein gravierender Hausärztemangel ab, der auch vor der Hauptstadt nicht halt machen wird. Von den derzeit 2443 Hausärzten in Berlin sind 1300 Fachärzte für Allgemeinmedizin. Von ihnen sind 548 älter als 55 Jahre, sie werden ihre Praxen in spätestens  zehn Jahren abgeben, erklärte Frau Dr. med. Angelika Prehn, Vorsitzende der KV Berlin. Zeitgleich interessieren sich immer weniger junge Ärzte für die Allgemeinmedizin. Wurden in Berlin vor zehn Jahren noch etwa 100 Prüflinge in diesem Fach geprüft, waren es 2009 gerade noch 67. Offenbar treibt der derzeitige Ärztemangel den Nachwuchs verstärkt in lukrativere Fachgebiete. Mit ihrer Initiative will die Kammer hier aktiv gegensteuern.

 Zum Hintergrund

Die Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin schließt sich ans abgeschlossene Medizinstudium an und umfasst in Deutschland insgesamt 5 Jahre. Die Weiterbildung gliedert sich in Berlin in folgende Abschnitte:

18 Monate Allgemeinmedizin (ambulant)
12 Monate Innere Medizin (davon mindestens 6 Monate stationär)
6 Monate Kinder- und Jugendmedizin (ambulant)
6 Monate Chirurgie (ambulant oder stationär)
6 Monate Orthopädie und Unfallchirurgie (ambulant oder stationär)
12 Monate in der unmittelbare Patientenversorgung (3 Monate davon Anästhesie obligat)

80 Stunden-Kurs Psychosomatische Grundversorgung. Weiterbildungsabschnitte in der Anästhesie und der Kinderheilkunde können durch eine Kursweiterbildung ersetzt werden. 

An der Facharztweiterbildung Interessierte stehen oft vor der nicht einfachen Aufgabe, die erforderlichen Weiterbildungsabschnitte in Kliniken und Praxen in Eigenregie möglichst nahtlos aneinanderzureihen. Gerade Kliniken zeigen oft Zurückhaltung, auf ihren Weiterbildungsstellen in den Fachabteilungen Ärzte auszubilden, die nicht Fachärzte der betreffenden Richtungen werden möchten.

Bei einer sogenannten Verbundweiterbildung verpflichten sich die beteiligten Institutionen auf ein vorab festgelegtes, strukturiertes Curriculum, das von mehreren Assistenten im Wechsel auf den dafür bereitgestellten Stellen durchlaufen wird.
 

 

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