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Isolde Flemming und Jürgen Hammerstein mit der Georg-Klemperer-Ehrenmedaille ausgezeichnet

(04.09.2009)  Kammerpräsident Günther Jonitz würdigt Standhaftigkeit und Engagement der beiden Berliner Ärzte

Für ihre besonderen Verdienste um die ärztliche Versorgung und die Belange der Ärzteschaft Berlins sind Professor Dr. med. Isolde Flemming und Professor Dr. med. Jürgen Hammerstein am 2. September 2009 mit der Georg-Klemperer-Medaille und -Ehrennadel der Ärztekammer Berlin ausgezeichnet worden. Verliehen wird die Ehrung an Ärztinnen und Ärzte, die sich in herausragendem Maße um die Berliner Ärzteschaft und das Gesundheitswesen der Hauptstadt verdient gemacht haben. Positive und förderungswürdige ärztliche Eigenschaften wie Zivilcourage, wissenschaftlicher Weitblick und Aufgeschlossenheit für neue Ideen, aber auch soziales Engagement sollen damit gewürdigt werden. 
 

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Preisträgerin Prof. Dr. med. Isolde Flemming (Mitte),  (v.li.n.re.) die Laudatoren
Prof. Dr. med. Harald Mau und Dr. med. Peter Semler,
Preisträger Prof. Dr. med. Jürgen Hammerstein,
Michael Hahn, Geschäftsführer der ÄKB und
Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin
 

Die Anästhesistin Isolde Flemming beschäftigte sich zu DDR-Zeiten an der Charité mit der Feststellung des Hirntodzeitpunktes im Rahmen der Transplantationsmedizin. Die von ihr vertretenen internationalen Kriterien kollidierten mit den damals als gültig vorgegebenen Methoden. Da sie ihre medizinisch-wissenschaftliche Überzeugung auch in ihrer 1979 vorgelegten Habilitationsschrift verteidigte, geriet sie mit der Staatsmacht in Konflikt. Ihre Arbeit wurde von parteientreuen Gutachtern abgelehnt, "da die ethisch-moralischen Ausführungen zeigen, dass sie die marxistisch-leninistischen Auffassungen in der Medizin nicht ausreichen beherrscht und deshalb auch nicht in der Arbeit vertritt", wie Professor Dr. med. Harald Mau in seiner Laudatio aus dem damaligen Gutachten zitierte. Trotz massiven Drucks blieb Isolde Flemming bei ihrer Überzeugung und musste starke persönliche Anfeindungen und das Ende ihrer Karriere hinnehmen. Erst nach der Wende wurde sie rehabilitiert. "Es gibt Momente im Leben eines jeden Arztes, in denen er letztlich nicht anders kann, als seinen medizinischen Überzeugungen zu folgen", so Flemming bei der Preisverleihung. "Es sind Entscheidungen, bei denen man letztlich keine Wahl hat." Flemming betonte, dass es in solchen Situationen immer Mitstreiter gebe, "oft von ungewohnter und nicht gedachter Seite", so die inzwischen im Ruhestand befindliche Ärztin. "Wohl dem, der dann in einem demokratischen Staatswesen seine Meinung verteidigen kann." Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz würdigte Isolde Flemmings charakterliche und medizinische Standhaftigkeit gegenüber einem politischen System, die heute aktueller und beispielhafter denn je sei.
 

Preisträgerin: Prof. Dr. med. Isolde Flemming und Dr. med. Günther Jonitz (Foto: S. Rudat)
Prof. Dr. med. Isolde Flemming erhält die Urkunde sowie die Georg-Klemperer-Medaille und
-Ehrennadel vom Präsidenten der Ärztekammer Berlin Dr. med. Günther Jonitz.


Mit Jürgen Hammerstein wurde ein zweiter Preisträger geehrt, dessen umfangreiches Lebenswerk sich in zwei Abschnitte teil. Sein Leben und Wirken waren immer stark mit der Stadt Berlin verknüpft. Als Endokrinologe gelangte Hammerstein nach dem Zweiten Weltkrieg schnell über die Grenzen Berlins hinaus zu höchster wissenschaftlicher Anerkennung. Ab 1969 leitete er im Universitätsklinikum in Steglitz eine selbstständige Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie, von denen es in Deutschland damals nur drei gab. Hammerstein war und ist Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien, so war er unter anderem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Besonders verdient um die ärztliche Fortbildung machte sich Hammerstein in seinem "Ruhestand" ab dem Jahr 1990. So wurde er im selben Jahr Geschäftsführer der "Kaiserin-Friedrich-Stiftung für ärztliche Fortbildung", die er bis Anfang dieses Jahres erfolgreich leitete. Unter seiner Ägide wurde die Stiftung zu neuem Leben erweckt. Besonders verdient machte sich Hammerstein um die Rückübertragung des Stiftungshauses am Robert-Koch-Platz. "Nur als damaliger Mitstreiter kann man ermessen, welche Ausdauer und Courage Hammerstein aufbringen musste, um dieses für die Stiftung lebenswichtige verspätete Nachkriegskapitel zu einem für die Ärzteschaft glücklichen Ende zu bringen", sagte Laudator Dr. med. Peter Semler.


Prof. Dr. med. Jürgen Hammerstein wird von Dr. med. Günther Jonitz beglückwünscht. (Foto: S. Rudat)
Prof. Dr. med. Jürgen Hammerstein ( re.) wird von Dr. med. Günther Jonitz beglückwünscht.


Die Georg-Klemperer-Medaille wurde von der Ärztekammer Berlin in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Namensgeber der Auszeichnung ist der Berliner Internist Professor Georg Klemperer (1965 - 946). Der Sohn eines Rabbiners etablierte im Krankenhaus Moabit eine ebenso menschliche wie wissenschaftlich fundierte Medizin. 1935 musste Klemperer vor den Nazis in die USA fliehen. Die Georg-Klemperer-Medaille wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal im Rahmen des Kammertages verliehen. Ziel des Kammertages ist es, haupt- und ehrenamtlich tätige Mitarbeiter der Ärztekammer Berlin in einem anregenden und entspannten Umfeld zusammenzubringen.


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