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Weniger Tote durch Herzinfarkt aufgrund der guten medizinischen Versorgung in Berlin

(02.04.2008)  Gemeinsame Presseerklärung mit dem Berliner Herzinfarktregister e.V. (BHIR)

In Berlin sterben weniger Menschen an Herzinfarkt als anderswo in Deutschland. 22,8 Menschen pro 100.000 Einwohner erlagen 2006 in der Hauptstadt den Folgen eines akuten Herzinfarkts. Das sind altersbereinigt 66 Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt (72,8 Gestorbene pro 100.000 Einwohner), so der 20. Herzbericht, dessen Ergebnisse der Autor Dr. Ernst Bruckenberger auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des Berliner Herzinfarktregisters (BHIR) und der Ärztekammer Berlin am Montag vorstellte. Zum Vergleich: In Brandenburg starben Jahr 2006 106 Menschen pro 100.000 Einwohner an Herzinfarkt.

Nach Angaben des BHIR-Vorsitzenden Professor Dr. med. Heinz Theres liegt eine Ursache für die niedrige Sterberate in der guten Qualität der Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin gemessen an der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. "Dies können wir aufgrund des überdurchschnittlichen Engagements für Qualitätssicherung der Berliner Kardiologen, die nunmehr im zehnten Jahr im Rahmen des BHIR Daten sammeln, zeigen“, erklärte Theres. "Da es sich beim akuten Herzinfarkt um einen stationär zu behandelnden Notfall handelt, spielen die notärztliche Erstversorgung und die stationäre Versorgung eine herausragende Rolle“, ergänzte Dr. med. Birga Maier, Leiterin der wissenschaftlichen Dokumentationsstelle des BHIR am Zentrum für innovative Gesundheitstechnologie der TU Berlin.

Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz, betonte die besondere Bedeutung des BHIR für die Herzinfarktversorgung in Berlin. "Berlin nimmt leider bei vielen Krankheiten - bedingt auch durch soziale Umstände - eine traurige Spitzenposition ein. Dem können wir nur mit einer herausragenden Medizin begegnen. Diese wird im Bereich der Herzinfarktversorgung geleistet“, sagte Jonitz. Durch systematisches Hinschauen und Bewerten im Rahmen des BHIR lernen die Berliner Kardiologen kollektiv. "Das ist ein Ausdruck von ärztlicher Souveränität“, unterstrich der Kammerpräsident.
 

3 Ebenen der guten Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin:

Flächendeckende Versorgung (Strukturqualität)
Berlin bietet aktuell eine beeindruckende, flächendeckende Infrastruktur zur stationären Behandlung von Herzinfarktpatienten (Stand Nov. 2007):

  • 36 Kliniken mit Akutversorgung von Herzinfarktpatienten
  • 18 Notarztwagenstützpunkte, davon 15 Standorte an Kliniken  Standorte an Kliniken
  • 19 Kliniken mit 33 Kathetermessplätzen

Leitliniengerechte Versorgung (Prozessqualtität)
Für die Behandlung von Herzinfarktpatienten (ST-Hebungsinfarkte) existieren seit Ende 2000  international akzeptierte Leitlinien, anhand derer die Qualität der Versorgung gemessen werden kann. Diese werden in den Berliner Kliniken umgesetzt. Zu den Leitlinien gehört die Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, die in Berlin inzwischen zu 88% praktiziert wird, wobei ein großer Teil der verbleibenden Patienten entweder die Behandlung aus Altersgründen abgelehnt hat oder medizinische Kontraindikationen zeigte. Zweiter Baustein ist eine Begleit- und Entlassungsmedikation mit bis zu 4 Medikamentensubstanzgruppen, die über 85% der Patienten bei Entlassung verabreicht wurde.

Sinkende Krankenhaussterblichkeit (Ergebnisqualität)
In den am BHIR teilnehmenden Kliniken ist die Krankenhaussterblichkeit am Herzinfarkt in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 12,2% (2000/01) auf 6,7% (2006/07) gesunken, das entspräche hochgerechnet 1830 "geretteten“ Herzinfarktpatienten, die seit 2000 verstorben wären, wenn die Krankenhaussterblichkeit gleich geblieben wäre. Für Hochrisikogruppen (z.B. ältere Patienten, Patienten mit Diabetes mellitus, Patienten im Schock bei Klinikaufnahme), die von der leitliniengerechten Therapie am meisten profitieren, bei denen die Eingriffe gleichzeitig aber auch am riskantesten sind, ist der Rückgang der Sterblichkeit noch beeindruckender: So ging bei Patienten über 80 Jahren die Krankenhaussterblichkeit von 26,4% (2000/01) auf 13,8% (2006/07) zurück, das entspräche hochgerechnet 1080 "geretteten“ Patienten seit 2000 (60% aller seit 2000 geretteten Patienten).

Weitere Informationen und Vermittlung von Gesprächpartnern:

ÄRZTEKAMMER BERLIN
- Pressestelle -
Sascha Rudat
Tel. 030/40 80 6-4100/-4101/4102
E-Mail: presse@aekb.de

Stichworte:

Herzbericht: 

Der Herzbericht wird seit 1989 von Dr. Ernst Bruckenberger, Ministerialrat a.D., veröffentlicht. Er ist die bisher umfangreichste sektorenübergreifende Versorgungsanalyse zur Kardiologie und Herzchirurgie in Deutschland. Neben einem umfangreichen Überblick über die aktuelle Situation und Entwicklung der stationären Morbidität und Mortalität ausgewählter Herzkrankheiten nach Geschlecht und Altersgruppen wird die Angebots- und Leistungsstruktur der Kardiologie und der Herzchirurgie in Deutschland dargestellt. Erstmals wird im Herzbericht 2007 ein Herzinfarktatlas zur Krankenhausinanspruchnahme und zur Mortalität in den 439 Kreisen Deutschlands vorgestellt.

www.herzbericht.de

Berliner Herzinfarktregister:

Im 1998 gegründeten Berliner Herzinfarktregister e.V. werden seit 1999 Daten zur stationären Therapie von Herzinfarktpatienten gesammelt und ausgewertet. Mit Hilfe der Daten werden Versorgungsabläufe dokumentiert und qualitätssichernde Elemente in den Klinikalltag eingeführt. Dabei steht der Nutzen einer Therapie für den Patienten im Vordergrund. Neben dem Aspekt der Qualitätssicherung für die beteiligten Kliniken im direkten Vergleich liefert das BHIR auch wissenschaftlich fundierte Antworten auf offene Fragen in der alltäglichen Behandlung von Infarktpatienten, zum Beispiel Aussagen zur Häufigkeit bestimmter Medikationen und invasiver Therapieverfahren oder zur Behandlung von Frauen im Vergleich zu Männern bzw. älteren im Vergleich zu jüngeren Patienten. Durch die Veröffentlichung dieser Ergebnisse kann das vorhandene Wissen in die tägliche Praxis überführt werden und zur Verbesserung der Versorgung der Patienten beitragen. In der nunmehr dritten Erhebungsphase nehmen seit dem 1. April 2008 22 Berliner Klinikstandorte am BHIR teil.

www.herzinfarktregister.de

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