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"Medzin und Magie gehörten schon immer zusammen"

(24.03.2014)  Interview mit Dr. Eckart von Hirschhausen

BÄ: Herr Dr. von Hirschhausen, in Ihrem neuen Programm beschäftigen Sie sich intensiv mit dem Thema Wunder. Was ist das 'Wunderbare' am Arzt-Beruf? Was hat Sie persönlich bewegt, Medizin zu studieren?

Foto: HERBERT ManagementHirschhausen: Medizin, Biologie, Psychologie haben mich in der Schule schon fasziniert, und ich finde Arzt sein bis heute einen der schönsten Berufe, auch wenn ich meinen eigenen Weg gefunden habe, dieses Wissen weiterzugeben. Meine Tante war Radiologin, mein Opa Psychiater, die weiteren Vorfahren Pfarrer - was blieb mir übrig (lacht).

Das Wunder des Lebens - Sie gehen auf die fließenden Grenzen von Medizin und Magie ein. Wo sehen Sie da den Zusammenhang oder ist alles nur Hokuspokus?

Medizin und Magie gehörten schon immer zusammen! In allen Kulturen gab es die "Medizinmänner" und Frauen, die etwas von Kräutern, aber auch viel von Ritualen, Zauber und Gruppenprozessen verstanden. Wir haben aus diesem einen Beruf viele verschiedene gemacht, und beschweren uns, dass uns weder der Röntgenarzt, der Psychotherapeut, der Heilpraktiker oder der Apotheker "ganzheitlich" sieht. Historisch verdankt die Medizin viel dem fahrenden Volk. Die Narkose wurde von den Gauklern entdeckt, die mit Lachgas die Menschen belustigten und so merkten, dass man dabei auch Zähne ziehen kann. Die Magenspiegelung entstand, nachdem ein Arzt einer Schwertschluckerin zugeschaut hatte, wie sie einen langen starren Gegenstand in ihren Magen versenkte. Und das Aspirin hat man sich von weisen Frauen abgeschaut, die aus der Weidenrinde einen schmerzstillenden Sud brauten. Die Wissenschaft hat die Magie aus der Medizin vertrieben, aber nicht aus den Menschen!

Schulmedizin und Alternativmedizin beäugen sich oft kritisch. Was können beide voneinander lernen?

Noch nie habe ich gehört, dass es eine "Alternativmathematik" gäbe. Oder "Komplementär-Maschinenbau". Warum akzeptieren wir so selbstverständlich, dass es zur Medizin eine "Alternativmedizin" mit eigenen Gesetzen geben soll? Wohl, weil wir eben nicht berechenbar oder rein mechanisch sind, und erst recht nicht so betrachtet werden wollen. Einerseits wünschen wir uns einen, der sich mit allem auskennt. Wenn es jedoch ernst wird, soll plötzlich der Ober-Spezialist ran. Die Spaltung der Medizinwelten spiegelt die Spaltung in uns. Wir haben Sehnsüchte und spirituelle Bedürfnisse und gleichzeitig gefühlt Anspruch auf perfekte Reparatur mit Garantieverlängerung auf 100 Jahre. Was jeder Arzt von den Homöopathen lernen kann: Zeit nehmen, zuhören, Fragen stellen, Rituale verordnen und abwarten. Und dem Patient mit etwas Unschädlichem die Zeit vertreiben, die der Körper braucht, um sich selbst zu helfen. 

Brauchen Patienten heutzutage wieder mehr Wunder? Woran erkennen Sie einen erfolgreichen "Gesundheitszauber"? Wann wird es zum faulen Zauber?

Wenn ich als Kind aufs Knie gefallen bin, hat meine Mutter gepustet und gesagt: "Schau, da fliegt das Aua davon!" Mein ganzes Studium habe ich darauf gewartet, dass mir jemand erklärt, wie das funktioniert. Und als Arzt muss man noch nicht einmal selbst daran glauben, dass "AUA" fliegen kann, es reicht, wenn das Kind das tut. Es wäre eine unterlassene Hilfeleistung, nicht zu pusten. "Scharlatane" gibt es natürlich überall, in der Alternativszene wie in der "Schulmedizin". Typisch sind ihre Selbstüberschätzung und die Abwertung von allen anderen Heilmethoden. Wer außergewöhnliche Behauptungen aufstellt, hat außergewöhnliche Beweise zu liefern. Und wenn behauptet wird, man könne mit Aprikosenkernextrakt, Homöopathie oder Bioresonanz Erkrankungen wie Krebs, MS oder Alzheimer heilen, hört bei mir der Spaß auf.

Wenn Sie dazu in der Lage wären, was würden Sie am liebsten aus dem heutigen Gesundheitswesen und der aktuellen Gesundheitspolitik wegzaubern?

Die schlechte Stimmung in den Krankenhäusern macht mir ernsthaft Sorgen. Ich kann die Kollegen und Pflegekräfte gut verstehen, die auf die Barrikaden gehen oder resignieren. Die Kürzungen am  Personal sind desaströs, denn gerade Zeit und menschliche Zuwendung ist durch nichts zu ersetzen und darf nicht der Profitmaximierung unterliegen. Wenn eine Krankenschwester für 40 Patienten in der Nacht da sein soll, ist das ein Skandal. Und es kostet nachweislich auch Leben, weil postoperativ Patienten sich unbemerkt verschlechtern und sterben. Also: mehr Wertschätzung und Ressourcen für die Pflege. Die Ärzte sorgen schon durch ihre Organisationen gut für sich, und sollten selber ein Interesse haben, die anderen Team-Player mit zu fördern, die sich weniger laut artikulieren.

Zu welchem Arzt sollte man gehen, wenn man glücklicher werden will?

Na, zu mir natürlich! (lacht) Es gibt eine große Kraft von Gemeinschaftserlebnissen, die man in der Eins-zu-Eins-Situation nicht erreichen kann. Mir schilderte einmal ein Arzt in der Kinderpsychiatrie eine Beobachtung während meiner Zaubershow. Ein Junge war seit Wochen bei ihm in Behandlung wegen Mutismus - einer seelischen Störung, bei der Kinder zu sprechen aufhören. Die Kinder mussten laut zählen, pusten, mitmachen. Und der kleine Patient "vergaß" seine Störung. Er machte munter mit. Ich bilde mir nicht ein, dass Humor allein ihn geheilt hat. Aber vielleicht war es genau der kleine Anstoß, der noch fehlte, um seine Heilung voran zu bringen. Dieses Erlebnis ließ mich die Stiftung "HUMOR HILFT HEILEN" aufbauen. Und seitdem nehme ich die Rolle von positiven Gruppenerlebnissen durch Musik, Kunst und anderen Wegen, uns zu "verzaubern", sehr ernst.

Sie stehen zum ersten Mal auf der Waldbühne. Worauf freuen Sie sich besonders, worauf darf das Publikum sich freuen?

Als Berliner erfülle ich mir einen Kindheitstraum. Einmal auf der Waldbühne stehen! Ein Geschenk an mein Publikum und eine Geburtstagsparty. Denn ich habe am 25.08. Geburtstag und am Samstag darauf, dem 30.08. möchte ich mit allen Fans, Kollegen und Freunden Open air feiern: mit Band, mit Feuerwerk, mit Überraschungsgästen auf der Bühne und Wunderkerzen für alle!

Ticketbestellung unter: http://www.printyourticket.de/Veranstaltung/HH-Aktion-293112.html  (unter diesem Link erhalten ärztliche Kolleginnen und Kollegen einen Rabatt von 25%).

- Management Dr. v. Hirschhausen/ÄKB -

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