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Welche Werte braucht die Medizin?

(04.07.2012)  "Value-based Health Care - Werteorientierung im Gesundheitswesen" - Hauptstadtkongress 2012 im ICC

Mit dieser sehr grundsätzlichen Frage hat sich eine Veranstaltung zur "Value-based Health Care - Werteorientierung im Gesundheitswesen" auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress im Berliner ICC beschäftigt, die vom Präsidenten der Ärztekammer Berlin, Dr. Günther Jonitz, und dem FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann geleitet wurde. "Warum braucht man überhaupt Werte und Moral in der Medizin?", warf Professor Urban Wiesing in den gut gefüllten Raum, um sie auch gleich zu beantworten: Der Patient muss voraussetzen können, dass Ärzte ihm helfen wollen, sie also moralisch handeln. Ohne ein "antizipatorisches Systemvertrauen" des Patienten würde unser Gesundheitswesen nicht funktionieren, legte Wiesing, der seit 2002 Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Uni Tübingen ist, anschaulich dar. Moral hat seinen Angaben zufolge in der Medizin mehrere zentrale Funktionen. Ausgangspunkt sei die initierende Funktion der Moral beim ärztlichen Handeln: "Wir wollen Menschen helfen. Moral ist also der Beginn von Medizin." Gleichzeitig wies er auf die legitimierende und vor allem die limitierende Funktion der Moral ein: "Ärzte müssen in vorgegebenen Grenzen handeln." Jonitz bedankte sich für diesen ausgezeichneten Vortrag zum "inneren Kompass des Arztes", wie er es nannte. 

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Welche Werte in der Medizin?, fragen Lars Lindemann, Günther Jonitz,
Urban Wiesing, Gerd Antes und Clemens Guth (v.re.). Foto: S. Rudat

Mit der Frage "Was ist Wissenschaft?" beschäftigte sich Professor Gerd Antes, Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums in Freiburg. "Wissenschaft heißt immer Unsicherheit." Man dürfe von ihr keine ultimativen Antworten erwarten, wie dies die Politik oft tue. Im Anschluss beschäftigte sich Antes mit dem Transfer von Forschung in die Praxis. Mindestens 50 Prozent der Forschungsergebnisse würden nie publiziert, kritisierte Antes und fragte, ob man die Forschung zwingen könne zu publizieren.

Nach Ansicht von Dr. Clemens Guth geht im deutschen Gesundheitswesen vor allem um die Kostenfrage. Viel entscheidender sei aber der Behandlungserfolg in Relation zu den Kosten, betonte Guth, der zusammen mit dem bekannten Harvard-Gesundheitsökonomen Michael E. Porter kürzlich das Buch "Chancen für das deutsche Gesundheitssystem" veröffentlicht hat. In Deutschland werde vor allem die Menge vergütet und nicht die Qualität der Behandlung. "Mehr Medizin ist aber nicht bessere Medizin." Es würden zudem zu wenige Ergebnisse gemessen, stattdessen konzentriere man sich viel zu sehr auf die Erfassung der Prozessqualität. Insgesamt zeichnete Guth ein ziemlich düsteres Bild des deutschen Gesundheitswesens, lobte aber gleichzeitig das DRG-System und sprach sich für Mindestmengenregelungen aus, worauf Kammerpräsident Jonitz - erklärter Gegner pauschaler Mindestmengen - für einen differenzierten Blick auf die Thematik plädierte. In der anschließenden Diskussion wurde aus dem Publikum gefragt, welche Werte denn nun für den Arzt handlungsleitend sein sollen. Während Guth das Behandlungsergebnis in den Vordergrund rückte, erklärte Medizinethiker Wiesing den individuellen (!) Nutzen des Patienten zum obersten Ziel ärztlichen Handelns, worauf er viel Zuspruch erntete.        

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