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Das Wichtigste vom Tag der Allgemeinmedizin

(04.02.2010)  Hier finden Sie eine ausführliche Zusammenfassung unserer Veranstaltung am 27. Januar 2010 sowie die Power-Point-Charts der Vorträge und wichtige Links.

Programmflyer
Power-Point Charts der Vorträge
Broschüre der DEGAM: "Verbundweiterbildung zum Facharzt  für Allgemeinmedizin"
Neue Vereinbarung zum Initiativprogramm Allgemeinmedizin, in Kraft seit 1.1.2010

Prof. Dr. med.Vittoria Braun moderierte die Veranstaltung

Zusammenfassung der Veranstaltung

Künftige Hausärzte sollen es in Berlin bald leichter haben, ihre klinischen Weiterbildungsabschnitte zu absolvieren. Die Ärztekammer Berlin will ihre Anstrengungen erhöhen, Nachwuchs-Hausärzten über so genannte "Verbundweiterbildungen" ein strukturiertes Durchlaufen ihrer vorgesehenen Weiterbildungsabschnitte zu erleichtern. Das betonten Ärztekammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz und seine Vorstandskollegin Prof. Dr. med. Vittoria Braun auf dem Tag der Allgemeinmedizin am 27. Januar in der Ärztekammer Berlin. Geplant ist eine - derzeit allerdings erst im Aufbau befindliche - Koordinierungsstelle, die künftig eine Zusammenarbeit von Kliniken und benachbarten Weiterbildungspraxen unterstützt. Neben dieser guten Nachricht bot der Tag ausführlich Gelegenheit zu einer Standortbeschreibung des Faches. Und die fiel gemischt aus.

Zwar ist es gelungen, die Weiterbildung Allgemeinmedizin in den letzten Jahren auf solide Füße zu stellen und ein inhaltliches Programm dafür aufzulegen, das die Breite des Faches gut abbildet. Auch haben der Abschied von einer gemeinsamen Basisweiterbildung mit der Inneren Medizin und die Re-Etablierung als eigenständiges Fach die Allgemeinmedizin inhaltlich gestärkt. Aber zwei Probleme bereiten den Vertretern der Zunft seit Jahren große Sorgen und sind nach wie vor noch nicht ausreichend gelöst.

Der Nachwuchs zögert noch

Problem eins: Der Allgemeinmedizin bricht der Nachwuchs weg. Weiterbildungsbefugte (nicht nur in Berlin) suchen händeringend nach Assistenten und finden nicht genug Bewerber. Allein am Tag der Veranstaltung verzeichnete die Online-Weiterbildungsbörse der Kammer 40 Angebote und 4 Gesuche für ambulante Weiterbildungsstellen in der Allgemeinmedizin. Auch die Prüfungsstatistik stagniert: Noch im Jahre 2003 legten 121 Allgemeinmediziner ihre Facharztprüfung bei der Ärztekammer Berlin ab; 2009 waren es nur noch 67.

Das wird sich auswirken. Vittoria Braun rechnete vor, dass im Jahre 2015 mindestens 15 % weniger Hausärzte zur Verfügung stehen werden als heute. Und dies vor dem Hintergrund, dass die weitere Morbiditätsentwicklung bereits im Jahr 2020 eine um ca. 20 bis 30 % höhere Anforderung an die Primärversorgung erwarten lässt. Besonders in der Fläche wird sich das schmerzhaft bemerkbar machen. Doch auch im vergleichsweise noch gut versorgten Berlin sind Engpässe absehbar.

Von den derzeit 2443 niedergelassenen Hausärzten in Berlin sind 1300 Fachärzte für Allgemeinmedizin. Von ihnen sind 548 älter als 55 Jahre, sie werden ihre Praxen in spätestens zehn Jahren abgeben, erläuterte Dr. med. Angelika Prehn, Vorsitzende der KV Berlin. Natürlich bringt das all jene, die sich jetzt für das Fach entscheiden, in eine komfortable Situation. Sie werden schon bald ein breites Angebot an Praxen vorfinden, die sie übernehmen können. In Flächenländern werden sie schon jetzt fast überall mit Kusshand genommen. So berichtete Dr. Gitta Kudela, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, dass nicht nur draußen auf der Börde sondern selbst in der City von Halle mehrere Arztsitze der Allgemeinmedizin frei sind und ad hoc besetzt werden können. Und auch in Berlin steigt die Auswahl. Selbst dem nicht eben kleinen Anteil derer, die das unternehmerische Risiko einer eigenen Niederlassung scheuen und gern angestellt arbeiten wollen; beschert die voranschreitende Konzentration aufgekaufter Arztsitze in Gemeinschaftspraxen und MVZs recht gute Aussichten, etwas Passendes zu finden.

Viele Interessierte kamen zum Tag der Allgemeinmedizin

Klinische Weiterbildung nur Undercover?

Problem zwei: Assistenten haben nach wie vor Schwierigkeiten, Stellen für ihre klinischen Weiterbildungsabschnitte zu finden. Das schaffen sie oft nur, wenn sie gleichsam "undercover" agieren und sich als angehende Internisten oder Chirurgen ausgeben. Denn Kliniken scheuen sich, trotz im Initiativprogramm Allgemeinmedizin zur Verfügung stehender zusätzlicher Mittel, ihre Weiterbildungsstellen mit fachfremden Allgemeinmedizinern zu besetzen.

Berlins erste Verbundweiterbildungs-Modelle

Eindrucksvoll zeigten Chefärzte der DRK-Kliniken Köpenick an diesem Abend, dass diese weitverbreitete Einschätzung in Kliniken falsch ist. Stattdessen sind die Weiterbildungsassistenten der Allgemeinmedizin für die Fachkliniken ein Gewinn. Ein neben den angehenden Internisten und Chirurgen mitlaufender Allgemeinmediziner erleichtert oftmals die Basisarbeit auf der Station. Bei ihm müssen fachlich andere Schwerpunkte gesetzt werden, aber es ist von Vorteil, wenn es Assistenten im Team gibt, die nicht gezwungen sind, spezielle OP-Kataloge zu erfüllen und Spezialuntersuchungen nachzuweisen. Prof. Dr. med. Matthias Pross (Chirurgie) und PD Dr. med. Christian Opitz (Kardiologie) berichteten, dass sich auch die Detailkenntnisse angehender Allgemeinmediziner aus schon durchlaufenen Nachbarabteilungen positiv auswirken. Das breite Fachwissen der jungen Kollegen ist von Vorteil.

Die Erkenntnis der Köpenicker Chefärzte kommt nicht von ungefähr. Die DRK-Kliniken haben gemeinsam mit der hausärztlichen Praxis von Charité-Lehrstuhlinhaberin Vittoria Braun in Eigenregie eine koordinierte Weiterbildung auf die Beine gestellt. Die Ärzte in Weiterbildung zur Allgemeinmedizin, die stationär in der Chirurgie, der Inneren Medizin oder der Anästhesiologie arbeiten, kommen zu sogenannten "Rückkehrtagen" in die Hausarztpraxis von Vittoria Braun. Dort tauschen sie sich zu typischen allgemeinmedizinischen Fragestellungen aus, erhalten ein Kommunikationstraining und stellen frühzeitig Selbstverständnis und Identität zur Hausarztmedizin her. Ab April 2010 wird vom DRK-Klinikum Köpenick eine fünfjährige Verbundweiterbildung angeboten. Neben den Köpenickern bietet noch das Justizvollzugskrankenhaus Berlin am Saatwinkler Damm eine Verbundweiterbildung für Allgemeinmediziner an. Eine der treibenden Kräfte ist hier der Ärztliche Direktor Dr. med. Marc Lehmann.

Niedergelassene sollten aktiv auf benachbarte Kliniken zugehen

Ohne Ärzte, die sich wie Braun und Lehmann gleichsam als Motoren für Verbundmodelle engagieren, geht es nicht. Vor voll besetztem Haus warb Braun deshalb für mehr ärztliche Eigeninitiative beim Zustandekommen solcher Verbundweiterbildungen. Sie propagierte ein Modell, bei dem ein oder mehrere niedergelassene Weiterbildungsbefugte der Allgemeinmedizin aktiv auf benachbarte Kliniken zugehen. Eine solche Idee könne man den Beteiligten nicht ?von oben? überstülpen, so Braun. Eine Zusammenarbeit in der Weiterbildung könne insbesondere durch persönliche Kontakte zu aufgeschlossenen Klinikleitungen und Chefärzten wachsen, mit denen man schon lange und gut zusammenarbeitet und über die eine Initialzündung für eine solche Initiative möglich ist. Wie das geht, hat jetzt gerade die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) in der lesenswerten Broschüre "Verbundweiterbildung zum Allgemeinarzt" zusammengefasst, die auf dem Tag der Allgemeinmedizin verteilt wurde. Eine Version zum Download finden Sie hier...

Auch an Ärztekammer-Geschäftsführer Michael Hahn richteten sich die Fragen

Die Ärztekammer will Interessierte künftig aktiv logistisch unterstützen, damit Verbünde am Ende wirklich zustande kommen und gut arbeiten können. Auch dies ist eine der zentralen Aufgaben der geplanten Koordinierungsstelle. Die Zeiten stehen günstig, denn gerade sind die Mittel aus dem Initiativprogramm Allgemeinmedizin aufgestockt worden. Mit ihnen erhalten Praxen und Kliniken einen Zuschuss, wenn sie Ärzte im Fach  Allgemeinmedizin weiterbilden. Vergeben werden die Mittel über die KV Berlin (für den ambulanten Bereich) und die Zentrale Registrierstelle der Deutschen Krankenhausgesellschaft (für die Kliniken). Zudem sollen die jungen Kollegen beim Absolvieren der geforderten Weiterbildungsabschnitte organisatorische Hilfestellung bekommen.

Es ist zu wünschen, dass die Initialzündung der ersten Berliner Pionier-Modelle Feuer fängt. Denn - und da waren sich alle Fachleute an diesem Abend einig - der Beruf des Hausarztes verdient Unterstützung und Förderung. Es lohnt sich für Ärztinnen und Ärzte, diesen Weg einzuschlagen. Das Fach gehöre zwar nicht zu den finanziell lukrativsten, durch seine Breite und den umfassenden und jahrelangen Patientenkontakt jedoch zu den schönsten und bereicherndsten Berufsfeldern für Ärzte.


Haben Sie Fragen und Anregungen?

Wie erwähnt, ist unsere geplante Koordinierungsstelle derzeit noch nicht im Einsatz. Ärztinnen und Ärzte, die jedoch bereits im Vorfeld Fragen und Anregungen haben, wenden sich bitte an: tagderallgemeinmedizin@aekb.de
 

Power-Point-Charts der Vorträge

Weiterbildung Allgemeinmedizin, Trends und Entwicklungen
Prof. Dr. med. Vittoria Braun, Vorstandsmitglied Ärztekammer Berlin, Lehrstuhlinhaberin Allgemeinmedizin an der Charité, niedergelassen in Köpenick

Versorgungssituation Allgemeinmedizin in Berlin und aktueller Stand des IPAM Programms 
Vortragscharts Dr. med. Angelika Prehn, Vorstandsvorsitzende der KV Berlin, niedergelassen in Friedrichshain

KOSTA - Koordinierungsstelle für die Weiterbildung zum Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin
Vortragscharts von Dr. med. Gitta Kudela, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, niedergelassen in Magdeburg

Modell einer Verbundweiterbildung in den DRK-Kliniken Berlin-Köpenick
Prof. Dr. med. Vittoria Braun

Verbundweiterbildung Köpenick, Beispiel Chirurgie
Prof. Dr. med. Matthias Pross, Chefarzt der Chirurgie an den DRK-Kliniken Berlin Köpenick

Verbundweiterbildung Köpenick, Beispiel Kardiologie
PD Dr. med. Christian Opitz, Chefarzt der Inneren Medizin, Kardiologie an den DRK-Kliniken Berlin Köpenick
 

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