Die Ärztekammer Berlin stellt sich vor
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Woher wir kommen

Gründungsgeschichte und Entwicklung von 1685 bis heute


Das Brandenburgische Medizinaledikt: 1685

Ärzte lebten in Mitteleuropa bis Mitte des 17ten Jahrhunderts hinein zum größten Teil als Gelehrte. Sie  waren nicht organisiert und unterlagen in ihrer Berufsausübung keinen einheitlichen Regeln. Die Prüfung und Abnahme ihrer fachlichen Fähigkeiten erfolgte über die Universitäten. Die Ausübung der Heilkunde war jedoch nicht auf Ärzte beschränkt. Daneben wirkten auf Straßen und Plätzen auch Bader, Barbiere, Wundärzte, Okkultisten und andere Heiler aller Art.

1661 ergriffen Ärzte aus der Mark Brandenburg die Initiative und traten an den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. mit der Bitte heran, dem Wirken der allenthalben tätigen Heiler ordnend entgegenzutreten. Das Anliegen der Ärzte wurde - wenn auch erst 24 Jahre später - aufgegriffen. 1685 erließ der Große Kurfürst das Preußische Medizinaledikt und setzte damit ein "Collegium Medicum" - eine Art Medizinbehörde - ein, das die Berufstätigkeit von Ärzten und anderen Heilern künftig unter staatliche Kontrolle stellte. Die im Collegium Medicum arbeitenden Ärzte waren Beamte. Im Jahr 1725 wurde das Edikt präzisiert und verschärft. Es enthielt eine feste Approbations- und Gebührenordnung, regelte die Rechte und Pflichten der Heilberufe untereinander und gab erstmals einheitliche Ausbildungs- und Prüfungsanforderungen vor.


Ärztliche Vereine: 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert begannen Ärzte, sich neben der Berufstätigkeit in Vereinen zu organisieren, in denen ein kollegialer Austausch und auch der freundschaftliche Kontakt untereinander gepflegt wurde. Mit der Zeit formten sich diese Zusammenkünfte zu wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus. Nach der Reichsgründung von 1872 schlossen sich die Ärzte dann zu Standesorganisationen zusammen. Sie gründeten gemeinsam den Ärztevereinsbund und den Deutschen Ärztetag.


Gesetzliche Einführung von Ärztekammern: 1887

Die flächendeckende, auf Gesetz beruhende Einführung von Ärztekammern erfolgte in allen preußischen Provinzen am 25. Mai 1887. Der preußische Staat behielt sich weiterhin die staatliche Prüfung und Berufszulassung der Ärzte (Approbation) vor, benötigte jedoch im Vorfeld struktureller Entscheidungen im Gesundheitswesen wie auch in der Beurteilung und Ordnung des praktischen ärztlichen Tuns weiteren Sachverstand "von außen". Für Berlin und Brandenburg gab es zunächst eine gemeinsame Kammer (Ärztekammer für die Provinz Brandenburg und die Stadtgemeinde Berlin), die sich jedoch kurz nach dem 2. Weltkrieg in eine für Berlin und eine für Brandenburg zuständige Kammer teilte.

Die Aufgaben der Kammer waren zur Zeit ihrer Gründung zunächst begrenzt auf den kollegial-wissenschaftlichen Austausch und die Beratung aller Fragen zur ärztlichen Berufsausübung und des öffentlichen Gesundheitswesens sowie auf das Entwickeln einer Standesordnung.


Umlage- und Disziplinarrecht: 1900

Nach langem Kampf der Ärzteschaft trat am 1. April 1900 ein Gesetz in Kraft, das die Ärztekammern auch institutionell stärkte: Sie erhielten ein Umlagerecht zu ihrer Finanzierung und bekamen die Befugnis, über Ehrengerichte gegen Kollegen vorzugehen, die gegen die Standesordnung verstießen. Diese Möglichkeit erstreckte sich jedoch nur auf niedergelassene Ärzte, Kollegen, die als Medizinalbeamte in staatlichen Einrichtungen tätig waren, fielen nicht unter die Berufsaufsicht der Kammern - eine Tatsache, die auch heute noch gilt - obwohl auch diese Ärzte Kammermitglieder sind.


Körperschaft des Öffentlichen Rechts: 1926

Erst 1926 erhielten die Ärztekammern in Preußen den Status von Körperschaften des öffentlichen Rechts, was mit einer Pflichtmitgliedschaft aller Ärzte im jeweiligen Zuständigkeitsbereich der Kammer verbunden war. Die Kammern hatten die Einhaltung der Berufspflichten zu überwachen, besaßen dafür ein begrenztes Disziplinarrecht, organisierten den wissenschaftlichen Austausch, die Fortbildung von Kollegen und die Anerkennung von Facharztbezeichnungen, was allerdings noch sehr uneinheitlich geregelt war.


Gleichschaltung nach 1936 und Verbot nach 1945

Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten erfolgte eine zentrale Gleichschaltung der Ärztekammern. Im April 1936 trat die Reichsärzteordnung in Kraft. Mit ihr entstanden eine für das ganze Reich zuständige Reichsärztekammer und eine Kassenärztliche Vereinigung. Die Reichsärztekammer mit Sitz in der Berliner Lindenstraße übernahm alle Aufgaben, die bis dahin von den Landesärztekammern wahrgenommen wurden.

Nach Kriegsende wurden 1945 alle Berufsorganisationen als nationalsozialistisch infiltriert von den Alliierten verboten. Das galt auch für die Ärztekammern, die es von da an nicht mehr gab.


Neugründung der Ärztekammer in Berlin/West: 1962

Durch die Teilung Deutschlands entwickelte sich die Organisation der Ärzteschaft in Ost und West unterschiedlich; der Schnitt ging selbstredend quer durch die Stadt Berlin. In allen drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands wurden nach Auflösung der NS-Organisationen trotz anfänglicher Vorbehalte auch der Westalliierten zwischen 1945 und 1949 recht schnell wieder regionale Ärztekammern gegründet. West-Berlin folgte erst relativ spät nach. Dies zum einen wegen seines politischen Sonderstatus, jedoch auch durch starken innerärztlichen Widerstand gegen eine Pflichtorganisation. Erst am 26. September 1961 trat in West-Berlin ein entsprechendes Kammergesetz in Kraft. Und es dauerte danach noch ein weiteres Jahr bis die Ärztekammer Berlin mit erstem Dienstsitz in der Bismarckstraße in Charlottenburg ihre Arbeit aufnehmen konnte. Facharztanerkennungen erfolgten noch bis zu diesem Zeitpunkt durch Amtshilfe der Ärztekammer Hamburg. Am 12. Dezember 1962 wurde die erste Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin gewählt. Und am 7. Februar 1963 fand schließlich die konstituierende Sitzung mit den Vorstandswahlen statt. Damit ging die Ärztekammer Berlin als letzte Landesärztekammer der jungen Bundesrepublik an den Start. Ihre Aufgabe umfasste vor allem die Überwachung der ärztlichen Berufspflichten, die Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Berufsverhältnis, das Führen eines Berufsverzeichnisses, die Berufsausbildung und Prüfung von Hilfspersonal der Kammerangehörigen sowie das Erlassen von Berufsordnungen und Facharztordnungen.

In der DDR und damit in Ost-Berlin gab es weiterhin keine Ärztekammern mehr. Das staatliche Gesundheitswesen und die Gewerkschaft (FDGB) nahmen über Kreis- und Bezirksärzte alle Aufgaben der Qualitätskontrolle ärztlicher Fachabschlüsse wahr.

Erst 1990 gründeten sich nach der Wiedervereinigung auch in den neuen Bundesländern Ärztekammern. Ab dem 3. Oktober 1990 wurden die Ärzte aus dem Ostteil Berlins als Neumitglieder in die Ärztekammer Berlin aufgenommen.


Aufgabenzuwachs durch detaillierte Regelung der Facharztspezialisierung

Die heute so wichtige Definition ärztlicher Gebiete und Spezialisierungen und die Anerkennung und Prüfung der hierfür erforderlichen Qualifikationen gehörte zunächst nicht zu den Aufgaben der Ärztekammern. Bis in die Mitte des 19. Jahrhundert hinein waren Ärzte zunächst universell tätig. Von den Hochschulen ausgehend, breitete sich Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts ein erstes Spezialistentum aus, das auch in den Bereich der Praxen ausstrahlte. Als erste kehrten sich die Augenärzte von einer Tätigkeit als "Vollarzt" ab, dann folgten die Ohrenärzte, die Frauenärzte, die Hautärzte und die Chirurgen, nach der Jahrhundertwende die Nervenärzte, Kinderärzte, die Urologen und die Orthopäden. Dies alles erfolgte jedoch zunächst ungeregelt.

1924 beschloss der damalige Ärztetag in Bremen erstmals "Leitsätze zu Facharztfragen". Als Facharztbezeichnungen wurden aufgeführt: Chirurgie, Frauenkrankheiten und Geburtshilfe, Orthopädie, Augenkrankheiten, Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Erkrankungen der Harnorgane (Urologie), Nerven- und Geisteskrankheiten, Röntgen- und Lichtheilkunde, Zahn-, Kiefer- und Mundkrankheiten (dazu Approbation als Zahnarzt nötig), Innere Medizin (einschließlich Nervenkrankheiten), Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, Lungenkrankheiten (Erkrankungen der Luftwege), Kinderkrankheiten. Die Spezialisten wurden verpflichtet, sich auf ihr Spezialgebiet zu beschränken, dieses anzukündigen und sich hausärztlicher Vollarzttätigkeit künftig zu enthalten. Prüfungen gab es seinerzeit noch nicht; die Kammern erkannten eine Spezialisierung dann an, wenn eine bestimmte Weiterbildungszeit bei einem Spezialisten absolviert wurde.

Erst mit der Einführung der Einzelleistungsvergütung in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde vor allem in der niedergelassenen Ärzteschaft das Führen einer Spezialisierung auch mit dem Abrechnen bestimmter Leistungen verbunden. Die Abgrenzung der Gebiete voneinander wurde nun plötzlich aus wirtschaftlichen Gründen wichtig und führte dazu, dass sich die Facharztordnungen von reinen Bildungsordnungen hin zu Gebietsabgrenzungsordnungen entwickelten. Immer größer wurde der Druck, Facharztbezeichnungen detaillierter zu regeln.

1968 wurde auf dem Deutschen Ärztetag die umfangreichste Musterweiterbildungsordnung erlassen, die es bis dato gab. Für alle Facharztbezeichnungen wurden Richtlinien vorgesehen, an deren Katalogen sich die Weiterbildungsbefugten orientieren mussten; erstmals wurde nun auch eine Verpflichtung zu einer mündlichen Prüfung festgelegt. Auch Subspezialisierungen als sogenannte Teilgebiete wurden darin erstmals definiert.

In den Ländern wurden in den 70er Jahren Weiterbildungsgesetze erlassen (in Berlin erstmals 1978), die die ärztliche Weiterbildung und die diesbezügliche Zuständigkeit der Kammern detailliert regelten.


Dienstsitze der Ärztekammer Berlin

  • Ab 1887 - Wohnanschrift des jeweiligen Vorsitzenden
  • 1892 - Schellingstraße 9, Berlin Tiergarten
  • Um etwa 1918 - Nettelbeckstraße 4, Berlin Charlottenburg
  • Um etwa 1930 - Genthiner Straße 35, Berlin Tiergarten
  • 1962 - Bismarckstraße 95 - 96, Berlin Charlottenburg
  • 1983 - Klaus-Groth-Straße 3, Berlin Charlottenburg
  • 1993 - Flottenstraße 28 - 42, Berlin Reinickendorf
  • 2003 - Friedrichstraße 16, Berlin Friedrichshain/Kreuzberg

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