Die Ärztekammer Berlin stellt sich vor
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Ökonomisierung des Gesundheitswesens: Aufruf verabschiedet - Vorstand: Tätigkeitsbericht 2001 vorgestellt - Deutscher Ärztetag 2002: Junge Ärztinnen und Ärzte berichten - Arbeitszeit: Appell an die Berliner Landespolitik

Bericht von der Delegiertenversammlung am 3. Juli 2002

Ökonomisierung des Gesundheitswesens

Der Gesundheitsökonom Dr. Hagen Kühn (Wissenschaftszentrum Berlin) hielt als Gastreferent einen Vortrag zu den Folgen der zunehmenden Kommerzialisierung im Gesundheitswesen. Die von Kühn dargestellten Thesen wurden im Anschluss mit dem ebenfalls anwesenden Berliner Staatssekretär für Gesundheit, Dr. med. Hermann Schulte-Sasse, diskutiert. Die Delegierten unterstützten den folgenden Aufruf an die Adresse der Gesundheitspolitik in Bund und Ländern. Initiatoren des Aufrufs sind die beiden Bad Säckinger Oberärzte Dr. Arndt Dohmen und Dr. Günther Baitsch sowie Berlins Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz. Der Aufruf wurde bereits vom Deutschen Ärztetag in Rostock unterstützt. Er wird in BERLINER ÄRZTE, Heft 9/2002, mit der Möglichkeit zur Unterschrift abgedruckt:

Aufruf
Ökonomisches Effizienzdenken gefährdet den humanen Umgang mit kranken Menschen!

Die derzeit beschlossenen und teilweise bereits umgesetzten Veränderungen der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen gefährden in zunehmendem Maße den humanen und ganzheitlichen Umgang mit den sich uns anvertrauenden kranken Menschen.

So werden ab 2003 Ärzte in Zukunft zusätzlich die Hauptaufgabe bei der Implementierung eines neuen Entgeltsystems (DRG) übernehmen müssen. Dieses System reduziert den Patienten zu einer Summation von möglichst vielen Diagnosen und unsere ärztlichen Tätigkeiten zu einer Auflistung abrechnungsfähiger sogenannter Prozeduren. Das Ziel ärztlichen Handelns ist dann nur noch das wirtschaftliche Überleben des Krankenhauses. Patienten werden degradiert zu Objekten wirtschaftlicher Ausbeutung. Parallel hierzu werden noch mehr als bisher nur abrechenbare technische Leistungen den Wert der ärztlichen Tätigkeit bestimmen.

Dieser Strukturwandel wird sich innerhalb kurzer Zeit auch nachhaltig auf das ärztliche Selbstverständnis auswirken. Menschliche Zuwendung, Eingehen auf die individuellen Wünsche und Ängste der Patienten werden dabei unweigerlich auf der Strecke bleiben.

Wo bleiben die für Arzt und Patient notwendigen humanen Rahmenbedingungen, wenn in den Krankenhäusern, wie überall in der Gesellschaft, zunehmend nur das Zweckhafte, Nützliche und Wirtschaftliche wertgeschätzt und die einzige ernsthafte Kommunikation nur in der Sprache der Technik, Wissenschaft und Ökonomie erfolgt?

Wir, Beschäftigte unterschiedlicher Berufe im Gesundheitswesen, sind bestürzt über diese Entwicklung. Leider haben wir uns bisher zu wenig gemeinsam in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet. Die öffentliche Debatte ist deshalb über die zukünftige Entwicklung unseres Gesundheitswesens in eine gefährliche Schieflage geraten.

Die wichtigsten Effizienzreserven sind im patientennahen Bereich unseres Gesundheitswesens im wesentlichen ausgeschöpft. Was fehlt, ist ein Mehr an menschlicher Zuwendung und individueller Betreuung der sich uns anvertrauenden Patienten, das mit den verschärften und inzwischen unerträglichen Arbeitsbedingungen sowohl in der Klinik als auch in der Praxis nicht mehr geleistet werden kann. Die Tatsache, dass seit Jahrzehnten derselbe Anteil unseres Bruttosozialproduktes für Gesundheitsleistungen aufgewendet wird, obwohl der Anteil alter und damit kränkerer Menschen ebenso wie der teure medizinische Fortschritt erheblich zugenommen haben, spricht dagegen, dass wir es überhaupt mit einer immer wieder gern unterstellten Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu tun haben.

Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion darüber, was uns unsere Gesundheit im Vergleich mit anderen Bereichen unseres Lebens tatsächlich Wert ist.

An dieser Diskussion müssen sich möglichst viele beteiligen. Es geht dabei um den Stellenwert, den wir der Prävention, der Behandlung kranker Menschen aller sozialer Schichten sowie der Rehabilitation zur Wiedereingliederung in ein möglichst selbst bestimmtes Leben nach durchgemachter Krankheit geben wollen.

Wir, die unterzeichnenden Beschäftigten im Gesundheitswesen, versuchen mit diesem Aufruf in letzter Minute vor einer betriebswirtschaftlich zwar effizienten, für die Betroffenen jedoch unmenschlichen Entwicklung unseres Gesundheitswesens zu warnen. Ohne eine Neuorientierung aller derzeitigen Reformbemühungen, die den hohen Wert der Gesundheitserhaltung aller Mitglieder unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt, werden wir schon heute, in naher Zukunft aber erst recht nicht den Bedürfnissen der sich uns anvertrauenden Patientinnen und Patienten gerecht werden können!

Tätigkeitsbericht

Der Tätigkeitsbericht der Ärztekammer für das Jahr 2001 wurde bei einigen Enthaltungen zur Kenntnis genommen.

Ärztetag-Nachlese

Mitglieder des Arbeitskreises „Junge Ärzte" berichteten den Delegierten von ihren Eindrücken auf dem Deutschen Ärztetag.

Arbeitszeit

Die Delegiertenversammlung verabschiedete den folgenden von der Fraktion Gesundheit eingebrachten Appell an die Berliner Landespolitik:

Die Ärztekammer Berlin fordert den Berliner Senat auf, die sofortige Durchführung verstärkter, unangekündigter und regelmäßiger Kontrollen der Arbeitszeitdokumentation in den Berliner Krankenhäusern (mindestens einmal pro Jahr) durch das LAGetSi zur Überwachung der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes sicherzustellen.

Darüber hinaus wird der Berliner Senat aufgefordert, auf Bundesebene auf eine Neugestaltung des Bußgeldkatalogs bei nachgewiesenen Verstößen gegen das ArbZG hinzuwirken. Bei nachgewiesenem Verstoß gegen das ArbZG soll ein Bußgeld nicht mehr nur wie bisher einmalig, sondern pro Beschäftigten verhängt werden.

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