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Die Georg-Klemperer-Ehrenmedaille

Seit 2007 jährlich vergebene Auszeichnung der Ärztekammer Berlin für besondere Verdienste in der Patientenversorgung Berlins und ein herausragendes Engagement für das Ansehen der Ärzteschaft

Mit der Verleihung der Georg-Klemperer-Medaille möchte die Ärztekammer Menschen ehren, die wichtige ärztliche Tugenden beispielhaft vorleben. Die bedingungslose Zuwendung zum Patienten, die Neugier auf das Erkennen von Zusammenhängen in der Medizin, die Offenheit, Problemen auf neuen Wegen zu begegnen und andere Menschen am eigenen Wissen teilhaben zu lassen. Georg Klemperer, der Namensgeber der Ehrenmedaille der Ärztekammer Berlin vereint all diese Tugenden in vorbildhafter Weise. Er war Arzt, Hochschullehrer und als Förderer neuer Herangehensweisen und Methoden seiner Zeit weit voraus. Vergeben wird die Georg-Klemperer-Medaille vom Vorstand der Ärztekammer Berlin.

Medaille-Klemperer

Der Namensgeber
Georg Klemperer

  • Georg Klemperer wurde am 10. Mai 1865 in Landsberg geboren.
  • Er war ein deutscher Internist jüdischer Herkunft und ein Begründer der Ernährungsforschung.
  • Nach seiner Habilitation 1889 an der I. Medizinischen Klinik der Charité wurde er 1906 Chefarzt im Krankenhaus Moabit.
  • Er wies auf die große Bedeutung einer adäquaten Ernährung bei der Behandlung von Krankheiten hin und beschäftigte sich auch mit Hypnose und Naturheilkunde.
  • Sein Lehrbuch "Grundriss der Inneren Medizin" erschien bis 1931 in 26 Auflagen.
  • Zusammen mit seinem Bruder Felix gab er ein zehnbändiges Handbuch der praktischen Medizin heraus.
  • Georg Klemperer wurde 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft entlassen, 1935 emigrierte er in die USA und verstarb am 25. Dezember 1946 in Boston.
  • Die Charité führte zu Ehren des Mediziners 2007 eine Georg Klemperer Ehrenvorlesung ein.

Die Preisträger 2018

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Karin Stötzner stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main, wo sie Soziologie studiert und nach ihrem Abschluss in verschiedenen Bereichen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gearbeitet hat. 1985 kam sie nach Berlin und übernahm die Leitung der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (SEKIS). Dort konnte sie ihre Vorstellungen von der Förderung selbstbestimmten Lebens verwirklichen und die Eigeninitiative von Betroffenen unterstützen. Dabei war es stets ihr Ziel, Wege zu finden, um mit den Akteuren des Gesundheitssystems ins Gespräch zu kommen und um gehört zu werden. Engagiert und immer präsent hat sie ein kontinuierliches Networking betrieben, sodass es 2004 keine bessere Wahl für die Position der ersten Patientenbeauftragten eines Bundeslandes, für Berlin, gab: Karin Stötzner kannte die Materie, kannte die Akteure und nutzte die Kommunikationsmittel.
Ihr Einsatz als Patientenvertreterin sollte eigentlich nach einer Legislaturperiode enden, aber im Laufe der Jahre sind daraus vier geworden und auch die Aufgaben der unabhängigen Position wurden deutlich umfangreicher. Ursprünglich war geplant, dass die Patientenbeauftragte „nur“ die damalige Senatorin beraten und die verschiedenen Berliner Aktivitäten zur Patientenorientierung koordinieren sollte. Allerdings gab es von Anfang an Anfragen von Betroffenen ebenso wie von Institutionen und Einrichtungen. 2011 kam dann noch der Bereich Pflege hinzu, sodass das Büro der Patientenbeauftragten seitdem „offiziell“ die koordinierende Ombudsstelle für Patientinnen und Patienten sowie Pflegebedürftige und deren Angehörige ist.
In ihrer Funktion als Patientenbeauftragte vertritt Karin Stötzner die Patientinnen und Patienten, die, wenn sie sich an sie wenden, meist eher ein Problem mit Ärzten oder dem Ergebnis einer Behandlung haben. Dabei geht es ihr aber immer um eine Patientenversorgung, die stets beide Seiten im Blick hat – Patient und Arzt. Das ist ihr wichtig, weshalb sie stets wertschätzend, lösungsorientiert und kooperativ mit der Ärzteschaft zusammengearbeitet hat. Ihr Anspruch ist es, gemeinsame Wege zu finden, anstatt „Fronten“ zu bilden. Dafür sagt Stötzner in einer klaren Sprache, mal mehr und mal weniger energisch, worum es ihr geht.
In den vergangenen 14 Jahren hat sich Karin Stötzner kontinuierlich um die Patientenversorgung und um das Gesundheitswesen in Berlin verdient gemacht. „Dabei hast Du es verstanden, uns als Ärzteschaft ‚mitzunehmen‘ und nicht ‚gegen uns‘ zu agieren. Sondern in gemeinsamer Verantwortung und für die Patienten!“, so Kammerpräsident Günther Jonitz bei der Preisverleihung.

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Professor Dr. med. Heribert Kentenich wurde 1946 im nordrhein-westfälischen Bergheim geboren und ist in Bergisch-Gladbach aufgewachsen. Mitte der 1960er Jahre kam er nach Berlin und studierte Medizin an der Freien Universität Berlin. Dort prägte ihn vor allem die Studentenbewegung, in der er sich aktiv engagierte. So regte der paternalistische Führungsstil vieler Chefärzte ihn und seine Kommilitonen zum Nachdenken und -forschen an. Die Tatsache, dass viele Hochschullehrer bereits während des Nationalsozialismus tätig gewesen waren und die Erkenntnis, dass dies nicht nur in Bezug auf die Vergangenheit relevant ist, sondern auch in die Gegenwart hinein wirkt, führte unter anderem dazu, dass Kentenich Aktivitäten wie die Veröffentlichung des Buches „Medizin und Nationalsozialismus. Tabuisierte Vergangenheit – ungebrochene Tradition?“ unterstützte.
Nach dem Abschluss seines Studiums und dem Erhalt der Approbation 1975 ging Kentenich Ende der 1970er Jahre ans Evangelische Waldkrankenhaus Spandau. Dort sammelte er erste Erfahrungen im Bereich der damals noch eher jungen, unbeachteten „alternativen Geburtsmedizin“ und promovierte 1983 unter Prof. Dr. Manfred Stauber mit einer Arbeit zum Thema „‘Natürliche Geburt‘ in der Klinik. Zum Verhalten von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett“. Im Jahr 1984 wechselte er ganz zu Stauber an die Universitäts-Frauenklinik in der Charlottenburger Pulsstraße, wo sie in den Folgejahren die Reproduktionsmedizin aufbauten. Dabei sahen Kentenich und seine Kollegen nicht nur das Neue, das „Retortenbaby“, sondern auch die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung. Diese stellten sie schon damals in einen umfassenderen Kontext und prüften, wie sich die Entwicklung sowohl unter ethischen als auch unter psychosozialen Aspekten vorantreiben ließ und welche Grenzen es zu beachten galt.
Mitte der 1990er Jahre wurde Heribert Kentenich Chefarzt der Frauenklinik in Westend, an der er ebenfalls die Reproduktionsmedizin ausbaute und außerdem eine besonders ausgerichtete Geburtsmedizin etablierte. Heute gängige Ansätze wie beispielsweise freundliche, farbenfrohe Geburtsräume statt kalter Kreißsäle oder sogenanntes „Bonding“ nach der Geburt gehörten für den damaligen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Gynäkologie und Geburtshilfe zum Arbeitsalltag. Für Kentenich war die ganzheitliche, psychosomatische Betrachtungsweise maßgeblich und er forderte von seinen Mitarbeitern, dass diese bei jedem Patientenkontakt angewendet wird. 
Um seine Ideen und Arbeitsschwerpunkte nicht nur praktisch, sondern auch politisch vorantreiben zu können, engagierte und engagiert er sich seit vielen Jahren in verschiedenen Gremien, wissenschaftlichen Einrichtungen und Fachgesellschaften. Durch Mediziner wie Professor Heribert Kentenich sind in den vergangenen 40 Jahren weltweit mehr als acht Millionen Kinder mithilfe einer künstlichen Befruchtung geboren worden. „Außerdem hat er die Geburt selbst in den Fokus gerückt und sich als Wegbereiter für eine selbstbestimmte, familienorientierte Geburtshilfe eingesetzt“, so Vizepräsidentin Regine Held.

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